Vom Hundehalter zum Experten – Fragen zur Ernährung

Wer den letzten Beitrag mit der Buchvorstellung gelesen hat weiß, dass ich seit einiger Zeit Kontakt zum Futtermann habe. Der Futtermann, oder auch Dominik hat eine Schulung zum Ernährungsberater absolviert und studiert derzeit Humanmedizin. Also ist da schon einmal reichlich Wissen vorhanden.
Viele Hundehalter interessieren sich sehr über die Fütterung ihrer Lieblinge. Ich bin einer von ihnen. Und deshalb habe ich ein paar Fragen von mir und anderen Hundehaltern gesammelt, um sie von Dominik beantworten zu lassen.

1. Du hast ein Buch über ’50 Gründe gegen Trockenfutter‘ geschrieben, bist du denn komplett gegen Trockenfutter?

Der Futtermann: „Ja, ich bin komplett gegen Trockenfutter. Selbst wenn man das hochwertigste Trockenfutter hat, das von der Zusammensetzung her passt, selbst wenn das Fleisch vom Bio-Bauern ist und ein Pelletierungsverfahren verwendet wird, das schonender ist, hat es immer noch einen gravierenden Nachteil: Es ist trocken. Das Einzige, was ich noch irgendwo einsehe, ist eine Notration zuhause zu haben. Wenn man mal wirklich zu faul ist, eine Dose aufzumachen, oder mit seinem Hund eine längere Wanderung macht, bei der man einfach nicht 10 Kilo schleppen kann. Ansonsten: Finger weg.“

2.  Wie stehst du zu Nassfutter?

Der Futtermann: „Nassfutter ist super. Wobei ich auch etwa 80 Prozent der am Markt befindlichen Marken nicht empfehlen kann. Es geht eigentlich um den Faktor „Lebensmittelqualität“. Sobald ich ein Futter selbst essen würde, gebe ich es auch meinem Hund in den Napf. Daher bin ich mit manchen BARF-Rationen auch überhaupt nicht einverstanden – denn das Zeug was teilweise verfüttert wird, würde ich nicht mehr anrühren.“

3. Immer bekannter wird auch die BARF-Fütterung. Die ist zwar ziemlich vielfältig, aber im Großen und Ganzen bin ich persönlich sehr zufrieden damit. Wie stehst du dazu?

Der Futtermann: „Wie gesagt: Wenn die Rationen ausgewogen sind, sprich frische Zutaten, je eine Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettquelle sowie ein paar Ballaststoffe, dann bin ich sehr dafür, dass du deinen Hund barfst. Wenn die Qualität einer Zutat (wie z.B. Fleisch, Innereien) nicht gewährleistet werden kann, rate ich zu hochwertigem Dosenfutter. Da bist du auf der sicheren Seite – zumal auch nicht jeder Halter Ernährungsprofi ist, und sich die exakte Zusammensetzung so genau überlegen möchte bzw. kann.“

4. Du selbst hast ja auch eine Hündin, auf was achtest du bei der Fütterung? Gibt es No-Go’s?

Der Futtermann: „Gibt es. Definitives No-Go sind so Dinge wie klassische „Kauartikel“ aus dem Supermarkt, jegliche Art von Trockenfutter aus Extrusionsverfahren (siehe mein Buch, hier wird das Verfahren erklärt), sowie künstliche Zusätze und Konservierungsmittel im Futter.“

5. Wenn man barft stoßt man immer wieder auf das liebe Getreide. Manche sagen das geht gar nicht – was sagst du?

Der Futtermann: „Tja, das mit dem Getreide ist so eine Sache. Es gibt Studien, in denen belegt ist, dass der Hund im Gegensatz zum Wolf über Gene verfügt, die es ihm ermöglichen, mehr Verdauungsenzym für Stärke herzustellen. Das bedeutet, er kann Kohlenhydratquellen wie Getreide auch besser verwerten. Doch Getreide ist vor allem eines: billig. Daher hat die Futtermittelindustrie es als fixen Bestandteil für die meisten Trocken- und sogar Dosenfuttersorten eingeplant. Dass mein Hund hin und wieder mal ein paar Haferflocken als Ballaststoff bekommt, oder den Rand meiner Pizza fressen darf, ist hier weniger bedenklich. Viel problematischer ist der tägliche Verzehr von Rationen mit bis zu 50 Prozent Getreideanteil. Darunter leiden z.B. der Dickdarm und auch die Bauchspeicheldrüse.“

6. BARF und Schilddrüsenunterfunktion, was sollte beachtet werden?

Der Futtermann: „Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist zunächst einmal der Wert für freies Schilddrüsenhormon (T4) sowie der für das die Schilddrüse stimulierende Hormon (TSH) bestimmen zu lassen, um das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen und eventuelle medikamentöse Substitution zu bedenken. Erst dann kann überhaupt über den Einfluss der Ernährung gesprochen werden. Prinzipiell gilt: Die Schilddrüse hat eine wesentliche Regulationsfunktion für diverse Stoffwechselfunktionen, und eine Unterfunktion kann beispielsweise zu Übergewicht und vermindertem Antrieb führen. Hier ist es wichtig, den Hund nicht mit übermäßig vielen Kohlenhydraten zu belasten und wie oben genannt unbedingt beim Tierarzt die Hormonwerte checken zu lassen. BARF oder hochwertiges Dosenfutter sind in jedem Fall zu empfehlen, denn günstiges Industriefutter enthält – wie du ja mittlerweile weißt – definitiv zu viele Kohlenhydrate, in Form von Getreide. Brokkoli und Kohl unterdrücken übrigens die Schilddrüsen- Hormonproduktion und sollten daher auch nicht gefüttert werden.“

7. Mein Hund ist schon über zwölf Jahre alt. Er hat mittlerweile starken Zahnstein und bekommt hochwertiges Nassfutter. In Narkose möchten wir ihn aufgrund von anderen gesundheitlichen Problemen nicht legen, zu was kannst du uns raten?

Der Futtermann: „Knochen sind in diesem Alter mit Vorsicht zu genießen, da sie gerade bei älteren Hunden schneller zu Verstopfung führen. Allerdings ist z.B. Trockenfleisch eine gute Alternative. Daran hat dein Hund länger zu kauen und kann die Zähne „schleifen“. Wenn du mal einen Knochen gibst, ist das nicht weiter schlimm, es sollte nur nicht mehr als einer in 2 Wochen sein.“

8. Wenn man sich über das Thema BARF einliest, stößt man immer wieder über Obst und Gemüse. Warum ist beides so wichtig?

Der Futtermann: „Obst wie z.B. Apfel enthält neben den Vitaminen wasserlösliche Ballaststoffe, sogenannte Pektine. Diese binden Gallsäuren im Darm und sind gut für die Regulation des Cholesterin-Haushaltes. Gemüse enthält ebenfalls Ballaststoffe und hilft, die Mikrobiota und damit die Darmflora zu regulieren.“

9. Was für Öle und Zusätze sollte man seinem Hund füttern und warum?

Der Futtermann: „Das ist ein längeres Thema – wenn dich das genauer interessiert, machen wir bitte einen eigenen Termin aus – darüber könnte ich etwa 2 Stunden lang berichten. Kurz vorweg: Bei den Ölen ist darauf zu achten, dass es sich um eine Erstpressung handelt, und es hochwertige Pflanzenöle wie Hanföl. Leinöl oder Schwarzkümmelöl sind. Vor allem das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6-Fettsäuren spielt eine Rolle – das sind die sogenannten essenziellen Fettsäuren, die der Körper als Baufette benötigt, um beispielsweise neue Zellmembranen zu bilden. Kokosfett beispielsweise ist als Baufett ungeeignet, aber ein guter Energieträger und soll gegen Parasiten helfen.“

10. Ich trainiere viel mit positiver Verstärkung und habe daher eine hohe Belohnungsrate. Ich belohne mitunter auch mit Leckerlis. Es ist jedoch gar nicht so einfach, gute Leckerchen zu finden. Bist du der Meinung, man kann dabei mal ein Auge zudrücken oder geht die Ernährung auch bei den Leckerlis weiter? Und hast du einen ultimativen Tipp für die perfekten Leckerlis?

Der Futtermann: „Für den ultimativen Tipp für Leckerlis muss ich dich auf meinen Blog verweisen. Der allererste Artikel handelt von Leckerlis, der richtigen Auswahl und den Unterschieden zwischen einzelnen Kauartikeln. Ich sag nur so viel: Wenn du schon die Zeit und das Geld in ein gesundes Futter investiert hast, solltest du nicht alles durch die Auswahl der falschen Kauartikel zunichtemachen. Wichtig ist auch hier: kein zugesetzter Zucker und ausschließlich natürliche Bestandteile. Wenn ich Leckerlis kaufe, achte ich immer zuerst auf die Zusammensetzung. Hier ist ein Fleischanteil von über 90 Prozent im Gegensatz zum Futter durchaus üblich und erwünscht. Finger weg wenn etwas wie „tierische und pflanzliche Nebenerzeugnisse“ auf der Packung steht. Dann sind es höchstens unnötige Kalorien, auf die du deinen Hund konditionierst. Übrigens: Beachte, dass gerade Leckerlis jede Menge an Kalorien haben. Meine Hündin Grace hat einmal eine Packung Leckerlis geklaut und sie komplett aufgefressen – ihr Haufen war am nächsten Tag etwa 3 Mal so groß wie sonst. Also zieh die verfütterten Leckerlis von der normalen Futterration ab. Als kleine Orientierung, wie viel du abziehen musst: Je nach Qualität des Leckerli kann die Trockenmasse etwa 3-4 mal so viel Energie pro Gramm haben wie dein Nassfutter.“

 

 

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